Worauf auch ein SEO bei Bewerbungen achten sollte

SEOs sind (noch) sehr gefragt. Man muss sich nur mal ansehen, mit welchen Einstiegsgehältern die Leute oft belohnt werden, unabhängig von Schul- oder akademischen Abschlüssen und oft sogar unabhängig von handfester Erfahrung. Diesen Eindruck sollten SEOs bei Bewerbungen vermeidenDas ist wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum sich viele SEOs ihrer Sache ein wenig zu sicher sind und sich bei Bewerbungen oft Schnitzer erlauben, die eigentlich nicht passieren dürfen. Das ist bitter, denn der Wettbewerb wird härter. Wo man vor ein paar Jahren noch händeringend suchte und sich auch zu Personalentscheidungen hinreißen ließ, die nicht ganz optimal waren, hat man heute oft die Auswahl zwischen einer Handvoll gleichermaßen qualifizierter Bewerber. Nicht zuletzt haben die Unternehmen selbst oft genügend SEO-Kompetenz aufgebaut, um schwache von starken Bewerbern zu unterscheiden. Gründe gibt es also genug, dass man sich auch als SEO optimal auf Bewerbungen vorbereitet – und nicht als Clown rüberkommt!

Hinweis: Das wird keine Liste von Fähigkeiten werden, die man als SEO mitbringen muss. Dazu finden sich bei Lunametrics und Moz (hier und hier) schon ausführliche Posts. Außerdem will ich hier nicht einfach die Bewerbungsleitfäden der einschlägigen Jobportale nachspinnen. Es soll hier darum gehen, was SEOs tun können, um sich optimal auf die Bewerbung einzustellen.

Gib Ihnen, was Sie wollen

… und nicht was Sie brauchen. Das hört sich erst mal nach einem richtig schlechten Ratschlag an, aber ich will das aus meiner Sicht erklären.

In vielen Unternehmen wird SEO immer noch als hauptsächlich technische Aufgabe gesehen. Deshalb liest man in Stellenbeschreibungen auch regelmäßig, dass ein Studium der Wirtschaftsinformatik Voraussetzung sei. Jeder Inhouse-SEO kann zudem bestätigen, dass es oft ein weiter Weg ist, um die Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass es mit der technischen Optimierung einer Website nicht getan ist. Der Rahmen einer Bewerbungssituation ist dafür sicher zu eng. Besser ist es, zunächst klar zu machen, dass man die technische Optimierung locker im Griff hat, darüber hinaus aber ein sehr viel breiteres Verständnis von SEO mitbringt.

Deshalb sollte man auch schon vor der Bewerbungssituation genau prüfen, wo die Site des zukünftigen Arbeitgebers steht. Das hilft zu verstehen, wie die Arbeit später aussehen wird. Ist die Site technisch schon voll durchoptimiert? Wie sieht das Linkprofil aus? Wie sieht es mit Inhalten aus? Wo ist das Unternehmen sonst noch online unterwegs? Wenn ja, mit welchem Erfolg?

Noch eine Anmerkung zu den Anforderungen: In der Regel hat sich der Arbeitgeber etwas dabei gedacht, wenn er beispielsweise Agenturerfahrung in den Stellenanforderungen voraussetzt. Möglicherweise soll der neue Kollege die Dienstleister steuern. Es lohnt sich bei jedem einzelnen Punkt der Stellenanforderungen darüber nachzudenken, warum er genannt wurde und ob er erfüllt werden kann. Selbst wenn ich beim genannten Beispiel selbst keine Agenturerfahrung habe, wird der Arbeitnehmer positiv zur Kenntnis nehmen, wenn ich schon selbst Agenturen als Dienstleister gesteuert habe.

Zeig Dich

Sogar in den Personalabteilungen hat sich schon herumgesprochen, dass man mit einer einfachen Google-Suche nach dem Namen des Bewerbers einiges herausfinden kann. Wer in ein bestehendes Online-Marketing-Team wechselt, kann sich sicher sein, dass die künftigen Kollegen googeln werden – vermutlich sogar noch bevor sie sich die Bewerbung ansehen. Darum sollten die Online-Profile sauber gepflegt sein. Wichtig ist, dass

  • keine veralteten Daten auf den Profilen (vor allem XING oder LinkedIn) zu finden sind.
  • ein angemessenes Profilbild zu sehe ist.
  • alle wichtigen Zertifikate hochgeladen wurden.
  • beruflich relevante Profile oder die eigene Website verlinkt ist.
  • um Himmels willen keine peinlichen Dinge (Exzessaufnahmen von Partys, o.ä.) zu finden sind.

Wer sich als SEO bewirbt und im Netz unauffindbar ist, stellt sich selbst kein gutes Zeugnis aus. Warum? Wer sich bewirbt, sollte eben davon ausgehen, dass der künftige Arbeitgeber aus dem Netz Zusatzinformationen beziehen will. Schließlich sprechen wir hier von einer Online-Stelle und oft will man einfach sehen, was die Leute online treiben. Und wer, wenn nicht ein SEO sollte in der Lage sein, bei Suchanfragen zum eigenen Namen Seiten in den Suchergebnissen zu platzieren! Klar ist das schwierig bei sehr häufigen Namen (à la Stefan Meier). Aber gerade dann kann man auch zeigen, wie kreativ man bei der Herstellung von Sichtbarkeit ist (z.B. über die Einbuchung von bezahlten Anzeigen).

Noch ein Wort zu den sozialen Netzwerken. Deren Einfluss auf die Suchmaschinenoptimierung ist unumstritten – auch wenn es über die Stärke noch geteilte Meinungen gibt. Ich nehme es keinem SEO ab, dass er über Social SEO Bescheid weiß, wenn er selbst keinen Account in einem sozialen Netzwerk hat und diesen auch hin und wieder aktiv nutzt. Ich habe sogar schon SEOs kennengelernt, die diesen ganzen „Social-Scheiß“ nicht mitmachen. Da wird’s halt dann wirklich eng.

Der Königsweg, um die eigene Sicht auf SEO zu präsentieren ist natürlich ein eigenes Blog. Dieser Blog ist aus genau diesem Motiv entstanden. Ein Blog ist die beste Möglichkeit, um technische Dinge zu testen, die Erstellung von Texten zu trainieren, etc. Wichtiger aber ist, dass man seine Fachkenntnis zeigen kann. Wer neben dem breiten SEO-Wissen auch noch Spezialwissen mitbringt – z.B. über Local SEO, Produktdatenoptimierung, Image SEO, Linkaufbau, etc – der ist für den Arbeitsmarkt noch einmal deutlich interessanter.

Darüber hinaus spricht natürlich auch nichts dagegen, sich auch auf den sozialen Profilen der künftigen Kollegen sehen zu lassen. Zum Beispiel: Beim Besuch auf dem XING-Profil eines Premium-Mitglieds wird diesem gezeigt, dass eine bestimmte Person sein Profil angesehen hat. Sehr viel deutlicher kann man wohl kaum signalisieren, dass man die Bewerbung ernst nimmt und sehr akribisch angeht.

Verstehe, mit wem du es zu tun haben wirst

Selbstverständlich besucht man die Profile der künftigen Kollegen aber vor allem um herauszufinden, mit wem man es zu tun haben wird. Wenn man Glück hat, sind die Profile sauber gepflegt und man erfährt noch von anderen Profilen, die die künftigen Kollege unterhalten. Warum sollte man als Bewerber also den Spieß nicht auch umdrehen und sich genauer ansehen, welche Kollegen man haben wird. Das ist sicherlich kein Ersatz für ein echtes Kennenlernen, aber zumindest wird man schon mal einen guten Eindruck davon erhalten, wer in dem Unternehmen arbeitet.

Wenn der künftige Vorgesetzte sehr aktiv im Netz unterwegs ist – vielleicht finden sich Vorträge oder er hat sogar ein eigenes Blog – kann man sich ein Bild davon machen, ob die eigenen Meinungen ähnlich oder eher konträr zu denen des Vorgesetzten sein werden. Gibt er beispielsweise nicht besonders viel auf einen strukturierten Linkaufbau, was aber Schwerpunkt der eigenen Arbeit ist, ist davon auszugehen, dass einem viele Sitzungen Überzeugungsarbeit bevorstehen werden.

Sei vorbereitet

„Wie finden Sie den unsere Site so?“. Es wäre überraschend, wenn diese Frage nicht kommt. Wer darauf keine Antwort geben kann, hat ganz offensichtlich seine Hausaufgaben nicht gemacht. Darum ist eine mehr oder minder gründliche Analyse des künftigen Arbeitsfeldes Pflicht.

Eigentlich ebenso selbstverständlich sollte es sein, die wichtigsten Entwicklungen bei den Suchmaschinen nicht nur zu kennen, sondern auch verständlich erklären zu können. Hier mal ein Beispiel aus dem echten Leben (kein Witz!):

Interviewer: Was waren die letzten großen Updates im Google-Algorithmus?

Bewerber: Hmmm … wie jetzt Updates?

Interviewer: Schon mal was von Panda-Update und Penguin-Update gehört?

Bewerber: Hab ich schon mal gehört.

Interviewer: Kannst du mir erklären, um was es dabei ging?

Bewerber: Irgendwas mit Content … glaub ich.

Zur Ehrenrettung des Bewerbers: Das Interview fand zu einer Zeit statt, als die Themen noch nicht in jeder Print-Mainstream-Online-Marketing-Zeitschrift durchgenudelt wurden. Trotzdem sieht souveräne Fachkenntnis natürlich anders aus. Wer die wichtigsten Entwicklungen bei den Suchmaschinen nur rudimentär kennt, dem wird es auch schwer fallen, sie den Leuten zu erklären, die auf den Budgets sitzen. Und ohne Budget macht SEO auch nicht wirklich Spaß.

Hat man den Interviewer mit seiner souveränen Fachkenntnis in der Tasche, kommt meistens bald das nächste schwierige Thema: „Wie sind denn ihre Gehaltsvorstellungen?“ Da auch das Thema Gehaltsverhandlungen sehr umstritten ist, meine 2-Cents dazu: Ich bin ein großer Fan des konservativen Erwartungsmanagements. Meiner Erfahrung nach haben die Leute ohnehin eine viel zu hohe Erwartung an das, was SEO in kurzer Zeit leisten kann. Diese Erwartungshaltung auch noch damit zu befeuern, dass man ein extrem hohes Gehalt fordert, kann schnell nach hinten losgehen. Gerade dann, wenn es Unternehmen schlechter geht, werden schnell Rechnung aufgemacht, in denen das Gehalt und der messbare Nutzen von Stellen gegenüber gestellt werden. Daher ist es oft besser, mit einem realistischen Gehalt zu beginnen und durch die erzielte Performance nachzuweisen, dass sich das Investment auch rechnet. Mein Tipp wäre also selbst zu überschlagen, ob die eigene Arbeit ein Bruttogehalt von 80.000 Euro (exklusive Arbeitgeberanteil) auch wirklich wert ist. Oft ist es sogar besser, wenn man zusammen mit einer gemäßigten Gehaltsvorstellung klar macht, dass man sich Zusatzleistungen sehr gut vorstellen könnte. Beispiele dafür wären Konferenzbesuche, Fortbildungen oder auch einfach nur Zuschüsse zu Fahrkarten, etc. Meist stehen die Unternehmen diesen Vorschlägen wesentlich offener gegenüber als hohen Gehältern.

Ich bin mit diesen Punkten bislang sehr gut gefahren. Welche Erfahrungen habt ihr bislang bei euren Bewerbungen gemacht? Habt ihr vielleicht sogar noch andere konkrete Tipps für SEO-Bewerber?