Sinn und Unsinn von Content Marketing für KMUs

Die Content-Marketing-Sau wird durchs Dorf getrieben.Content Marketing ist aktuell die dickste Sau, die durchs Online-Marketing-Dorf gescheucht wird. Das hat vor allem zwei Gründe:

1. Die Entwicklung weg vom Push-Marketing hin zum Pull-Marketing. Pull-Marketing baut darauf auf, dass der Kunde/User die Kommunikation mit einem Unternehmen sucht – von Inhalten also angezogen wird.

2. Google hat mit den letzten Algorithmus-Updates die SEO-Szene nachhaltig verändert. Seither diskutieren auch SEOs über Content-Qualität und nicht mehr -Quantität.

Kein Wunder also, dass dem Content Marketing eine extrem wichtige Rolle in einer modernen Online-Strategie zugesprochen wird:

„Wer nicht für nachhaltiges Aufsehen sorgt, weil er keine qualitativen Inhalte produziert, verliert im Kampf um die Aufmerksamkeit der Nutzer und damit potentiellen Neukunden schnell den Anschluss.“

Wie bei allen Prognosen gilt es, Ruhe zu bewahren … erst mal tief durchatmen, eine Nacht darüber schlafen, in Ruhe einen Kaffee trinken und sich dann fragen, ob diese Prognosen auch relevant sind. Vor allem KMUs müssen mit ihren geringen Ressourcen genau prüfen, womit sie den größten Effekt erzielen – und das gilt besonders für das Content Marketing.

Bevor es Missverständnisse gibt: Die Begriffe „KMU“ und „Content Marketing“ sind reichlich unscharf. Als KMU gilt laut der Definition der Europäischen Komission alles unter einem Jahresumsatz von 50 Mio Euro oder einer Mitarbeiterzahl von weniger als 251. Das umfasst so ziemlich alles vom Bäcker um die Ecke bis zum großen, mittelständischen Maschinenhersteller. Für diesen Artikel gehe ich von Firmen aus, deren Online-Marketing-Budget bei ca. 5.000 Euro liegt. Gleiches gilt für Content Marketing: Hier besteht zumindest aber Einigkeit darüber, dass nicht das eigene Unternehmen oder Produkt im Mittelpunkt stehen soll, sondern der Weg zum Kunden über relevante Inhalte führt. Für diesen Artikel beginnt Content Marketing dort, wo mindestens eines der aufgeführten Content-Instrumente eingesetzt werden:

Content Marketing Formate

Ausschnitt aus einer Infografik von Copyblogger

Wer also eine eigene Website hat, macht aus meiner Sicht noch kein Content Marketing. Wer sich auf einem Branchenportal mit Beschreibung und Foto der Firmenzentrale oder Praxis präsentiert, betreibt noch kein Content Marketing. Das kann man sicherlich diskutieren, ist aber für diesen Artikel die Definition, wo Content Marketing beginnt.

Gerade den KMUs wird Content Marketing als Alternative zum üblichen Offline-Marketing empfohlen. Die beiden Hauptargumente sind: 1. Guter Content erreicht schnell eine hohe Reichweite (z.B. durch SEO) und hat damit ein großes Akquise-Potential. 2. Content Marketing ist extrem günstig. Beide Argumente sollten aber sehr kritisch betrachtet werden.

Guter Content und Reichweite

Viele SEOs und Content-Marketing-Advokaten verweisen auf die letzten großen Google-Updates (vor allem Panda & Hummingbird), um klar zu machen, dass Google jetzt verstärkt Wert auf Content legt. Und das ist sicherlich auch richtig. Gleichzeitig ist es aber ein Irrglaube, dass guter Content auf jeden Fall in den Suchmaschinen erfolgreich sein wird. Einer der bekanntesten SEOs, Rand Fishkin, hat das Missverständnis auch noch verstärkt:

The best link building is when you hit the Publish button.

Natürlich ist damit gemeint, dass guter Content auf jeden Fall im SEO erfolgreich sein wird.

Was ist guter Content?

Dabei ist unklar, was Google unter „gutem“ Content versteht. Ist guter Content nun genau und faktenreich, geschrieben von Experten? Oder sind damit eher Inhalte gemeint, die sich an ein möglichst breites Publikum wenden? Dazu die Stellungnahme eines Google Ingenieurs:

Suppose you search for something like [pinched nerve ibuprofen]. The top two results currently are mayoclinic.com and answers.yahoo.com. Almost anyone would agree that the mayoclinic result is higher quality. It’s written by professional physicians at a world renowned institution. However, getting the answer to your question requires reading a lot of text. You have to be comfortable with words like „Nonsteroidal anti-inflammatory drugs,“ which a lot of people aren’t. Half of people aren’t literate enough to read their prescription drug labels. […] The answer on yahoo answers is provided by „auntcookie84.“ I have no idea who she is, whether she’s qualified to provide this information, or whether the information is correct. However, I have no trouble whatsoever reading what she wrote, regardless of how literate I am.

Schwierig, nicht wahr? Was, wenn meine Zielgruppe aber nun mal die Experten sind und nicht die breite Masse?

Wie wird guter Content in den Suchmaschinen sichtbar?

Google wertet eine Menge Faktoren aus, um die Position von URLs in den Ergebnislisten zu bestimmen. Das sind zum einen Dinge, die direkt auf die Interaktion mit dem angebotenen Content zurückgehen. Viele SEOs gehen davon aus, dass Google verfolgt, ob Nutzer, die auf ein Suchergebnis klicken, innerhalb weniger Sekunden auf die Suchseite zurückkehren. Ein klares Signal dafür, dass die Zielseite nicht zur Suchanfrage passt und daher schwächer eingestuft werden sollte. Gehen wir davon aus, dass ich den bestmöglichen Content zu einem Thema verfasst habe, dann aber nur eine Handvoll Leute über Longtail-Suchanfragen darauf zugreifen. Kann Google so die Qualität meiner Inhalte auch für ein breiteres Publikum einschätzen? Wohl eher nicht. Gleiches gilt auch für „externe“ Qualitätssignale wie Links oder Interaktionen in den sozialen Netzwerken. Keine Leser … keine Signale … kein Erfolg in den Suchmaschinen.

Kommen wir zurück zu Rand Fishkin. Josh Smith hat schön gezeigt, dass auch Moz in seiner Anfangszeit großartigen Content produziert hat … der aber kaum Leser fand, die darauf reagierten. Erst als das Community-Building und der Netzwerkaufbau in der Branche richtig in Fahrt kamen, wurde plötzlich auch der Moz-Content populärer – und in den organischen Suchergebnissen deutlich sichtbarer.

KMUs sollten immer kritisch bedenken: Die Tests der Meinungsführer funktionieren oft einfach deshalb, weil sie bereits ein großes Publikum haben (Tausende Follower, Tausende FB-Freunde, in Tausenden Circles, etc.). KMUs müssen ein solches Publikum erst aufzubauen, bevor die mühsam erstellten Inhalte auch genügend, für die Suchmaschinen relevante, Signale aufbauen können. Auch dieser Aufbau ist Aufwand über die reine Erstellung von Inhalten hinaus.

Wer noch keine Online-Reichweite hat, wird sie auch nicht alleine durch gute Inhalte bekommen.

Ist Content Marketing wirklich günstig?

Die besondere Anziehungskraft des Content Marketing liegt für KMUs vor allem an dem Versprechen, dass es sehr viel günstiger sein soll als die aufwändigen Hochglanzbroschüren, Printanzeigen, usw. Ein guter Ausgangspunkt für die weitere Diskussion ist Blick auf die tatsächlichen Online-Budgets von deutschen KMUs.

Laut einer Studie von phaydon research + consulting liegt das Online-Werbebudget bei deutschen Mittelständlern im Schnitt bei 415 Euro monatlich (Social Media inklusive). Das sind gerade mal knapp 5.000 Euro im Jahr. Nicht gerade berauschend, wenn man bedenkt, dass damit in der Regel auch noch Media Budget, z. B.  für SEA bezahlt werden soll. Viele KMUs nehmen Erhöhungen am Budget nur dann vor, wenn die Marketing-Maßnahmen die Erwartungen auch erfüllen.

Dabei hat die Online-Branche selbst hartnäckig die Legende aufbaut, dass im Online-Marketing, mit minimalem Zeit- und Geldaufwand wahre Wunder zu erwarten sind. Hier mal ein schönes Video, das sich vor allem an kleinere Unternehmen richtet:

„Für ein Basispaket ist mit 100 bis 200 Euro im Monat zu rechnen, hat dafür aber minimalen Zeitaufwand.“ Dafür sind die Umsatzerwartungen aber umso höher. Und die sollen auch noch vollständig messbar sein … eine weitere Online-Marketig-Legende, die sich unter den KMUs schon verbreitet hat.

Aber bleiben wir noch eine Weile beim erwarteten Nutzen. Gerade vom Content Marketing versprechen sich viele KMUs einen sehr starken Effekt, eben weil man überall lesen kann, wie wirksam es ist. Unklar ist aber meistens, wie die Inhalte zum Unternehmenserfolg beitragen. Über die Relevanz für die Zielgruppe und (!) das Unternehmen wird kaum diskutiert. Dabei ist sogar die Relevanz für die Zielgruppe bei weitem nicht ausreichend, wenn man mit KMUs über Content diskutiert. Unternehmen müssen auch einzigartige Inhalte bieten.

Ein Beispiel: Für die Kunden eines regional tätigen Bäckers mögen Rezepte für Weihnachtsplätzchen vielleicht noch relevant sein. Aber wieso sollte ich diese Rezepte bei diesem Bäcker suchen, wo es doch bereits chefkoch.de und Konsorten gibt. Dort bekomme ich deutlich mehr Plätzchen-Rezepte. Interessant wird das Thema erst, wenn der Bäcker sehr spezielle Plätzchenrezepte verwendet, mit außergewöhnlichen Zutaten oder auf eine spezielle Art und Weise hergestellt. Eben relevante und (!) wirklich unique Inhalte.

Der Grund für diese beiden Voraussetzungen ist folgender: Bei schwachem Wettbewerb erzielt man Verhältnis Aufwand zu Wettbewerb im Content Marketingeinen spürbaren Effekt (Aufmerksamkeit) noch mit relativ wenig Aufwand. Steigt der Wettbewerb aber an – Marcus Sheridan spricht von einem steigenden Content Saturation Index – wird der Kampf um die Aufmerksamkeit der Nutzer immer heftiger. Dadurch entsteht überproportional viel Aufwand. Beschränke ich mich also auf relevante Felder mit starkem Wettbewerb, muss ich überproportional viel Aufwand in die Inhalte stecken, um noch genügend Aufmerksamkeit dafür zu bekommen. Dieses Rennen können die meisten KMUs nicht gegen die etablierten Player am Markt gewinnen. Es bleiben lediglich die Nischen, die ein passables Ergebnis mit wenig Aufwand ermöglichen.

 

Content Marketing ist kein Patentrezept. Die Zahl der guten Beispiele zeigt aber, dass es für viele KMUs auch die richtige Lösung sein kann. Deshalb ist es gerade für KMUs so überaus wichtig, die genauen Bedürfnisse der Zielgruppe und die aktuelle Online-Situation zu analysieren. Die Strategie für ein kleines Makler-Büro für Versicherungen (meist geringe Markenschärfe, kaum differenzierbare Produkte, lokaler bzw. regionaler Fokus, extremer Online-Wettbewerb) oder eine Marke wie den Taschenhersteller Freitag (hohe Markenschärfe, einzigartige Produkte, überregionaler Fokus, schwacher Online-Wettbewerb) wird grundsätzlich anders aussehen. Ebenso wie die Möglichkeiten Content Marketing als Instrument einzusetzen.

Konzentration auf das Wesentliche in der Online-Welt

Content Marketing bedeutet hohen Aufwand, um starke Ergebnissen zu erzielen. Es ist die Königsdisziplin im Online-Marketing, eben weil es viele Bereich betrifft (SEO, Redaktion, Gestaltung, etc.). Dabei sind viele KMUs noch lange nicht so weit, den Anforderungen gerecht zu werden. Online-Marketing ist eine extrem dynamische Disziplin und wer sich nicht auf die wesentlichen Dinge konzentriert, kann sich schnell verzetteln. Was sind also die Schritte, die ein KMU gehen sollte, bevor es sich in das Content Marketing vorwagt:

Die richtige Haltung für Online

Das hört sich erst mal seltsam an, aber der Online-Bereich erfordert eine bestimmte Haltung von den Unternehmen. Eine Website ist ein dynamisches Medium, das ständig aktualisiert werden muss. Das ist für viele Unternehmen neu, die es gewohnt sind, Maßnahmen zu konzipieren, umzusetzen und zu vergessen. Wer sich in den Online-Bereich wagt wird auch feststellen, dass Kunden in diesem Medium andere Erwartungen haben als im Offline-Bereich. Auf eine schriftliche Beschwerde per Brief erwarte ich eine Reaktion innerhalb von ein paar Tagen. Kommuniziere ich per E-Mail, sollte eine Reaktion besser innerhalb von 24 Stunden erfolgen. Für viele KMUs ist das noch Neuland. Deshalb sollte sich jedes Unternehmen fragen, ob die verantwortlichen Mitarbeiter bereits verinnerlicht haben, was es bedeutet, wenn ein Unternehmen online ist.

Solide Website

Die Website ist der Dreh- und Angelpunkt für die komplette Online-Strategie. Der Fokus sollte zunächst nicht auf den neuesten Technologien liegen. Wichtiger ist, dass Nutzer möglichst einfach Antworten auf ihre Fragen finden: Wer ist der Anbieter? Was macht der Anbieter? Warum sollte ich den Service in Anspruch nehmen? Wie kann ich den Service buchen/das Produkt kaufen? Bei Bedarf sollten Standorte und Öffnungszeiten aufgeführt werden. Und nicht zu vergessen: eine einfache Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Die Telefonnummer bitte nicht im Impressum verstecken! Damit sind die Grundlagen gelegt. Ein aus meiner Sicht gelungenes Beispiel ist die Website der Psychotherapiepraxis Dr. Shaw.

Erste Schritte im Content Marketing

Allein mit den ersten beiden Punkten werden viele Unternehmen eine Menge zu tun haben. Wenn die erfüllt sind, bietet sich für viele Unternehmen ein Blog als erster Schritt ins Content Marketing an. Ein Firmenblog bietet ein großartiges, freies Format, das technisch oft leicht einzurichten ist und mit dem man gut experimentieren kann. Man lernt mit einem Blog sehr schnell, wie hoch der Aufwand für die Erstellung von Content ist, was dabei zu beachten ist und wie die vorhandenen Nutzer/Kunden darauf reagieren.

Gute Beispiele für Firmenblogs gibt es sehr viele. Im KMU-Umfeld hat sich WinLocal dem Thema schon eimal angenommen und schöne Beispiele zusammengestellt (vielen Dank an Sebastian Socha für den Hinweis).

Erst dann geht es darum, die Inhalte effizient zu verbreiten. Für viele Unternehmen wird der nächste logische Schritt die eigene Facebook-Seite oder das Google+-Profil sein. Auch das Dinge, die Aufwand und vor allem laufende Pflege erfordern. Eine andere Herangehensweise ist der Aufbau von Beziehungen zu Meinungsführern in der Branche. Die verfügen über eine große Reichweite, die sie evtl. zur Verfügung stellen. Oder, oder, oder …

Wer so weit gekommen ist, hat auch verstanden, welchen Aufwand Content Marketing bedeutet. Aber auch, welche Ergebnisse man realistisch erwarten kann. So lässt sich auch dieser Effekt vermeiden:

KMUs strampeln sich oft ohne Ergebnisse im Content Marketing ab.

TL;DR

  • Guter Content verbreitet sich nicht von alleine. Damit Content Marketing wirksam ist, müssen Unternehmen die Inhalte aktiv verbreiten.
  • Content Marketing ist nur in Nischen mit geringem Wettbewerb günstig. Der Aufwand, um bei umkämpften Themen wahrgenommen zu werden ist für viele KMUs zu hoch.
  • Viele KMUs haben noch nicht die Grundlagen für den Online-Erfolg gelegt. Dazu gehören die richtige Haltung für den Online-Bereich und eine solide Website. Erst dann ist es sinnvoll über die ersten Schritte im Content Marketing nachzudenken, z. B. mit einem Blog.
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  • ZIMMER 19

    Auch hier fällt mir wieder auf, dass es eine enge Beziehung zwischen Unternehmensstrategie und Onlinestrategie gibt.
    Will sagen: Ein „me too“ Unternehmen wird auch eine „me too“ Onlinestrategie haben und in der Folge im allgemeinen Contentgemurmel untergehen.
    Ein spitz positioniertes Unternehmen wird auch spitz positioniert kommunizieren und aus der Masse hervorstechen. Das ist dann vielleicht nicht für jeden interessant, aber für die richtigen.

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  • Norbert

    Sehr guter Artikel!!

    Leider bedeutet für die meisten KMU’s, gerade im B2B-Bereich, Content-Online-Marketing (z.B. via Website, Blog, Facebook oder Twitter) einfach unablässig PR, Produktbilder, Produktbeschreibungen etc. zum Zweck der Selbstbeweihräucherung zu verbreiten.

    Neulich sagte mir mal ein Kunde (KMU und schwäbischer Weltmarktführer in seinem Bereich), ob man Blog und Twitter-Kanal nicht von einer 400 Euro Aushilfskraft oder einem Azubi nebenher betreuen lassen kann. Soviel zur Wertschätzung von guten Texten und Bildern bei gestandenen Mittelständlern.

    • phranz

      Vielen Dank für das Kompliment!
      Das ist sicherlich nicht der einzige Mittelständler, der mit dem Gedanken an 400-Euro-Kräfte im Online-Bereich spielt :-) Leider sind viele Prozesse und Denkweisen bei den guten, alten Mittelständlern so eingeschliffen, dass sie kaum verstehen, wie anders der Online-Bereich in manchen Bereichen funktioniert. Eine gute Strategie, die sich für mich bewährt hat, ist die simple Frage: „Würden Sie das auch in der klassischen Werbung so machen?“

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  • Gerade größere KMU in Deutschland sind häufig sehr exportstark und gelten als „hidden champions“, da man sie in der Öffentlichkeit kaum wahrnimmt. Der Herausarbeitung und wirkungsvollen Kommunikation der Differenzierung und der Alleinstellungsmerkmale, der USP, kommt m. Mn. nach größte erfolgskritische Bedeutung zu. Auch in diesem ansonsten sehr guten Artikel wird dieser Aspekt leider außer Acht gelassen. Es ist gerade die Nische zu beschreiben, die typischerweise ein erfolgreiches Unternehmen bearbeitet.
    SEO handelt schon längst von der Aufbereitung und effizienten und effektiven Kommnunikation der bestehenden Differenzierungen und ist weder ein Nerd-Thema für Webmaster, noch für selbsternannte Social-Media-Chacka-Chacka-Lautsprecher.

    P.S.: Die von der Anzahl her dominierende SEO-Hobby-Fraktion, die mit SEO-Tricks und „Linkbuilding“ bis 2012 gelegentlich auch mal kurzfristige und wenig nachhaltige Zufallserfolge vorzuweisen hatte, wird sich zukünftig neue Betätigungsfelder suchen müssen. Ich schlage vor Lebensversicherungen, die rentieren momentan auch schlecht und zahlen Riesenprovisionen.;-)

    • phranz

      Da bin ich voll bei Ihnen. Es gilt den USP klar herauszuarbeiten und zu kommunizieren, um sich gegen den Content-Geräuschpegel abzusetzen. Das sollte den größeren KMUs und Exportweltmeistern nicht schwer fallen, sobald sie die Notwendigkeit dafür erkannt haben. Aber bei den kleineren KMUs kann es schwierig werden. Gerade die Kleinstunternehmen tun sich oft schwer damit, sich gegenüber der Konkurrenz abzugrenzen. Und daran ändert auch das Content Marketing nichts.

  • Reimund Noll

    Sehr guter Artikel. Ich denke, die Generalisierung ist generell schwierig. Allein bei den Unternehmen findet man von Internethörigkeit bis dumpfem „Was soll das denn?“ so ziemlich jede Einstellung.

  • Hendrik Henze

    Hallo Franz,
    genau der richtige Artikel für diesen grauen Samstag. Er spiegelt sehr gut wieder, was bei uns (Ex-)SEOs 😛 und den KMUs los ist.

    Als das Thema anfing, haben wir gedacht: Gut, dann kaufen wir nun ein paar Blog-Artikel bei den bekannten SEO-Text-Plattformen ein und veröffentlichen diesen bei unseren Kunden. Als wir jedoch die ersten Texte zurückbekamen, merkten wir schnell: „Hoppla, mit 1 Cent/Wort-Texten kommt man nicht wirklich weit. Wer würde denn sowas wohl lesen wollen? Ich jedenfalls nicht…“
    Es mussten also neue Wege gefunden werden und damit kam die Einsicht, dass ein guter Texter sehr viel mehr als 1 Cent/Wort verlangt und gute Texter auch nicht im Übermaß gesät sind.

    Der Preis für die Dienstleistung stieg also schnell an. Und der Aufwand wuchs.

    Nun mussten weitere Kunden von der Dienstleistung überzeugt werden. Die Offline-KMUs geben es lieber in die interne Hand des Praktikanten (wie du schon so schön beschrieben hast). Die online-affinen sagen: „Ich mache das schon länger: Ich gehe auf Content.de / Textbroker. Das ist super praktisch, weil ich die Sachen automatisch auf meinem Blog veröffentlichen kann. Schaun Sie mal selbst…“
    Ein Blick auf den Blog zeigt, dass in der Tat ein großer Batzen Text gekauft und auch veröffentlicht wurde. Auf den zweiten Blick bzw. beim Lesen vergeht einem jeden Leser jedoch schon nach den ersten drei Sätzen die Lust. Der Text ist Langweilig, schlecht recherchiert, nichts neues, nicht fürs Auge formatiert, enthält keine Quellen….

    Der Kunde hat nun zwar für nur 50 bzw. 400 Euro im Monat Content auf der eigenen Seite, das wars dann aber auch schon. Suchmaschinen werden das in den nächsten Monaten vielleicht noch würdigen, aber wie du schreibst: Die Konkurrenz da draußen schläft nicht und die Menschen können nunmal nur so viel lesen. Hinzu kommt, dass ein Artikel ohne Backlinks auch nicht wirklich weit kommen wird 😉

    Ich bin sehr gespannt, wo das alles hinführt. Nach den ersten Monaten der „Panik“, dass SEO tot ist, bin ich mittlerweile wieder recht optimistisch, dass es diese Disziplin, wenn auch etwas anders, noch eine ganze Weile geben wird…
    Schönen Samstag noch
    Hendrik

    • Ihr Kommentar ist Balsam für die Texter-Seele. Oder genauer: Balsam für die Seele jedes professionellen Texters mit Marketing- und PR-Erfahrung, journalistischem Background, klarem Bekenntnis zum Presse-Ehrenkodex etc. Für einen Kunden habe ich (aus Budgetgründen) selbst mal mit Textbroker arbeiten müssen. Reden wir nicht drüber …

      Beste Grüße
      Andreas Quinkert

  • Marquardt+Compagnie

    Sehr schön differenziert ausgearbeiter Artikel! Wir sehen das allerdings etwas anders mit den Kapazitäten, die notwendig sind und ob man mit wenig wirklich nichts erreicht. Sie haben ja netterweise unseren Artikel dazu verlinkt. Danke! Wir haben die Erfahrung gemacht, dass KMU häufig überhaupt keine Marketingstrategie verfolgen und daher auch nicht verstehen, was eine gute Content-Marketing-Strategie für sie bedeuten kann. Hier beginnt man immer wieder mit der Basisarbeit, die Sie hier gut dargestellt haben. Es zeigt sich jedoch auch, dass immer mehr Mittelständler die Bedeutung des Internets als Vermarktungsinstrument (und sei es zum Aufbau eines Image, bzw. einer Reputation!) begreifen und sich kostengünstige, wirkungsvolle Instrumente wünschen. Etwas, das sich meistens ausschließt. Meistens.
    Contentmarketing ist ein günstiges Instrument, das diese Lücke füllen kann. Es funktioniert allerdings nicht ohne eine gute Strategie dahinter. Das ist absolut richtig. Dennoch kann man mit 400 Euro im Monat im Onlinebereich eine Menge erreichen, wenn man konsequent und klug vorgeht! Das jedenfalls zeigt unsere Erfahrung. Was man aber nicht vergessen darf, ist was Sie dazu ganz richtig schreiben: Gutes Contentmarketing ersetzt NICHT eine integriert gedachte und umgesetzte Marketingstrategie im Allgemeinen. Auch etwas, was viele erstmal nicht so sehen. CM bleibt damit ein Werkzeug, das zwar gut ist, letztendlich aber nur im Zusammenspiel mit strategischen Elementen, sowie im Zuge eines ansatzweise professionellen Marketings funktioniert. Und es wirkt eh nur, wenn man auf Qualität achtet. Slow Blogging ist ein guter Weg dazu.

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