Keiner hat Bock auf unser Marketing!

Wir Marketing-Leute glauben immer, dass jeden da draußen unsere Kampagnen interessieren müssen. Egal, ob wir ein sterbenslangweiliges Video in den Äther pumpen oder eine dröge Facebook-Seite zusammenstopseln – alles, was wir sehen, ist unsere „virale“ Video-Kampagne oder unsere hypermoderne Social-Media-Aktion, mit der wir unsere Nutzer „engagen“ (kein Witz – hab ich so schon gehört!). Ob das jemanden interessiert, fragen wir uns oft erst dann, wenn die Views für das Video im zweistelligen Bereich bleiben oder niemand außer Freunden oder Angestellten unsere Inhalte liked, shared oder sonstwas damit anstellt.

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Warum das so ist, weiß ich nicht. Aber ich bin mir sicher, dass wir richtig liegen, wenn wir vom Kunden her denken und nicht vom Geldbeutel des Kunden. Dazu müssen wir den Kunden aber auch ernst nehmen – als Person, die eigene Bedürfnisse und Probleme hat. Nicht als Osterbraten, den wir auch erst in den Ofen schieben müssen, bevor wir uns gierig über ihn hermachen.

Vielleicht ist das aktuell das Problem: Viele von uns haben noch nicht verstanden, dass sich das Marketing im Netz wandelt. Immer noch sind die meisten Inhalte Feigenblätter, oft nur deshalb erstellt, weil ein Berater auf der letzten Konferenz über „Content Marketing“ fabuliert hat oder das in einem der angesagten Blogs kolportiert wurde. Verknüpft mit dem alten Denkansatz ist das vorrangige Ziel dann klar: Abverkauf. Dann passiert meist eines von zwei Dingen:

1. Die technischen Eintrittshürden sind so gering, dass man schnell mal eine Facebook-Seite oder einen Blog aufsetzen kann. Ressourcen für die eigentlichen Inhalte werden aber nicht bereitgestellt. Wer weiß, ob dieser moderne Quatsch mit den Inhalten überhaupt funktioniert.

2. Wenn aber Ressourcen bereit gestellt werden, will man auf Nummer sicher gehen und lackiert die Inhalte so lange um, dass sie sich eben auch als das lesen, was sie sind: Unglaubwürdige Werbebotschaften, verkleidet mit einem durchsichtigen Content-Mäntelchen.

In beiden Fällen ist das Ergebnis klar: Die Leute wenden sich gähnend anderen Inhalten zu.

Wie es besser geht, zeigen Firmen wie MintHubspot oder die zahlreichen anderen Beispiele für gutes Content Marketing, die man im Netz findet.

Die Marketing-Leute, die sich unsicher sind, was die Leute da draußen wirklich bewegt und was sie von unserem Marketing halten, sollte sich einfach mal das Cluetrain Manifesto durchlesen.

Also nochmal: Keiner da draußen hat Bock auf unser Marketing!

Ich hab’s vorsichtshalber ausgedruckt und mir direkt an die Wand gegenüber gehängt.

Grafik mit dem Text "I love being marketed to. Said no one, ever."