Besseres SEO durch Outbound Linking?

Im SEO gibt es einige kontrovers diskutierte Themen. Eines davon ist sicherlich die Frage danach, ob man auf andere Seiten verlinken sollte oder nicht. Bei dieser Diskussion stehen sich die Lager der Freilinker und der PageRank-Horter gegenüber. Die Freilinker sehen in Outbound Links (also Links aus der eigenen Site auf andere Sites) eine Art Best Practice, die PageRanker-Horter lehnen diese Praxis strikt ab. Beide Seiten führen zahlreiche Argumente für die eigene Vorgehensweise ins Feld:

PageRank-Horter also Contra Outbound Linking

1. “Die Verlinkung andere Sites führt dazu, dass ich Traffic auf meiner Site verliere.” In der Regel ist genau das Gegenteil der Fall. Es gibt genügend Fälle, in denen eine aggressive Strategie der Verlinkung anderer Sites dazu geführt hat, dass eine Site massiv an Glaubwürdigkeit und damit auch Zuspruch durch die User erfahren hat (z.B. jegliche Form von Curation Sites wie drudgreport.com, etc.)

2. “Die Verlinkung andere Websites führt dazu, dass ich PageRank abfließen lasse – das hat negative Auswirkungen auf mein Ranking.” Das ist meistens nicht der Fall. Sogar, wenn wir einem simplen Modell der PageRank-Verteilung folgen, geht über ein paar Links auf andere Sites kaum nennenswert Power verloren. Ein Beispiel: Wenn auf einer durchschnittlichen Seite ca. 30 Links sitzen und einer dabei auf eine andere Site verweist, würden nach der simplen PageRank-Formel nur ca. 3% PageRank verloren gehen.

3. “Na gut, aber dann setzte ich auf alle ausgehenden Links das nofollow-Attribut um den PageRank auf der eigenen Site zu behalten.” Das klassische Argument der PageRank-Horter. Allerdings sollte bedacht werden, dass PageRank nicht das einzige Kriterium ist, um das Ranking einer Seite zu bestimmen. Außerdem hat Google schon sehr deutlich gemacht, dass PageRank-Sculpting über das nofollow-Attribut schlichtweg nicht funktioniert. Um Matt Cutts zu zitieren:

I wouldn’t recommend closing comments in an attempt to “hoard” your PageRank. In the same way that Google trusts sites less when they link to spammy sites or bad neighborhoods, parts of our system encourage links to good sites.

Allerdings sollte bedacht werden, dass das nofollow-Attribut in manchen Fällen auch seine Berechtigung hat. Im Sinne der Suchmaschinen sollte das nofollow-Attribut vor allem dann verwendet werden, wenn es sich bei der Verlinkung um Werbung handelt.

Freilinker also Pro Outbound Linking

1. Links sind die Grundlage des Webs und wir sollten wieder zur ursprünglichen Haltung zurückkehren. Das mag einigen Zynikern als naiv vorkommen, ändert aber nichts daran, dass der ursprüngliche Gedanke des Web ein sehr guter war.

2. Content Curation – also die Übernahme andere Inhalte – gehört mittlerweile zum Web. Übernimmt man Inhalte von anderer Stelle oder lässt sich von diesen inspirieren, sollte man auch seinen Teil des Deals erfüllen und auf die Quelle verweisen – sprich verlinken. Dass dies bei bewusster Nichteinhaltung (oder schlichtweg Ignoranz) nicht besonders gut ankommt, zeigt die Reaktion von Danny Sullivan.

3. PageRank ist vollkommen überbewertet – aus fertig!

4. Über Links aus andere Sites lassen sich hervorragend Beziehungen knüpfen. Vor allem dann, wenn man der anderen Site auch noch Traffic zukommen lässt. Man kann meist darauf vertrauen, dass dies eine wesentlich sinnvollere Strategie zur Anbahnung einer Kooperation ist, als die üblichen uninspirierten Mails zur Anfrage einer Linkpartnerschaft.

5. Manche SEOs sind der Auffassung, dass nicht nur die eingehenden Links auf eine Site in das Ranking eingehen, sondern eben auch die Qualität der ausgehenden Links bewertet wird. Allerdings steht hier ein schlüssiger Nachweis noch aus. Außerdem sollte auch klar sein, dass es sich hier nicht um eine kurzfristige Optimierungstaktik handelt. Wie Michael Gray treffend formuliert:

“Linking out is a strategy you have to embrace holistically.”

6. Die Verlinkung andere Sites ist einfach gut für die Usability. Kaum eine Site kann schließlich für sich in Anspruch nehmen, ein Thema umfassend in allen Facetten darstellen zu können. Und was ist leichter, als einen Punkt anzuführen und auf eine andere Site zu verweisen, auf der genau dieser Punkt in aller Ausführlichkeit behandelt wird.

Was soll man also tun?

Ich stehe ganz klar auf der Seite der Freilinker – wie man an den ausgehenden Links sehen dürfte 😉 Es war vor allem eine Überlegung, die mich überzeugt hat: Was kann ich durch das Outbound Linking gewinnen und was wirklich verlieren? Lohnt es sich für ein wenig mehr PageRank die anderen Vorteile wirklich in den Wind zu schießen?

Allerdings werden viele das auch auf die harte Tour lernen müssen. In der Regel durchläuft man dabei 8 Phasen bis man zum Freilinker wird.