6 nervige Charaktertypen und wie man mit Ihnen fertig wird

Disclaimer: Ich bin kein psychologischer Psychotherapeut, Mediator oder Berufsdiplomat. Der folgende Text ist meine ganz persönliche, amateurhafte Sicht auf unterschiedliche Charaktertypen und in vielen Punkten auch nicht ganz ernst gemeint. Falls Sie ernsthafte Hilfe benötigen, wenden Sie sich bitte an geschultes Fachpersonal.

Wer freiwillig ins menschliche Exil geht, kann es vermeiden. Für den Rest von uns wird es früher oder später passieren: Wir treffen auf einen Menschen, den wir nicht besonders gut leiden können, vulgo: Vollidioten.

Tagcloud der nervigen CharaktertypenDas ist besonders bitter, wenn wir es nicht selber in der Hand haben, wie intensiv der Umgang mit dieser Person ist – wie beispielsweise bei Famillienmitgliedern und Kollegen. Mir ging es genau so. Mehr als nur einmal hatte ich es mit Leuten zu tun, die stärker an meinem Geduldsfaden gezerrt haben als mir lieb war.

Deshalb habe mich hingesetzt und versucht zu ergründen

  • Was das für Typen sind
  • Was ihr Problem ist
  • Wie man am besten damit umgeht

Die Ergebnisse will ich niemandem vorenthalten, weil ich weiß wie viel Wut und Frustration sich durch diese Personen anstauen kann.

Selbstverständlich werden Sie nur ganz selten einen der Typen in Reinform treffen. Schließlich sind die Typen eher so etwas eine Ansammlung von ganz besonders ekelhaften Charaktereigenschaften, die erst im Zusammenspiel ein kohärentes Bild ergeben. In den meisten Fällen werden Sie feststellen, dass Ihr spezieller Freund zwei oder sogar noch mehr der Typen in unterschiedlicher Ausprägung in sich vereint. Aber keine Sorge: Die vorgeschlagenen Lösungen lassen sich auch miteinander kombinieren. (Erfolgsgarantien sind ausgeschlossen!)

Übrigens: Wenn Sie bereits so gelassen wie ein Zenmeister auf die täglichen Herausforerungen reagieren, brauchen Sie nicht weiterzulesen. Gelassenheit ist sicherlich der Schlüssel, um den Umgang mit inkompatiblen Personen locker zu meistern. Falls Sie Ihre Gelassenheit aber mal im Stich lässt, hoffe ich, dass Sie die folgenden Informationen nützlich finden.

Die aktuelle Liste der Ekeltypen ist natürlich nicht vollständig. Wenn Sie also auf andere Grund-Typen gestoßen sind, die Sie hier bislang nicht finden, geben Sie mir einfach Bescheid. Entweder in den Kommentaren oder kontaktieren Sie mich über Twitter oder Google+. Wenn Sie mir folgen oder mich circeln, werde ich Sie auch über die neuesten Updates informieren, so dass Sie immer auf dem neuesten Stand der Nervtypen-Forschung sind.

Jetzt geht’s aber endlich los mit dem …

Der Rechtfertiger

(auch bekannt als das Unschuldslamm)

Wie erkennt man den Rechtfertiger?

Am Schulterzucken. Der Rechtfertiger entledigt sich jeglicher Verantwortung, die auf seinen Schultern lastet, derart effizient, dass diese wie von selbst nach oben zucken. Man könnte sogar noch weiter gehen: Verantwortung haftet an einem Rechtfertiger ähnlich stark wie ein Spiegelei in einer geölten Teflon-Pfanne.

Erstaunlich ist, mit welcher Kreativität dieser Typ zu Werke geht. Oft hat ein einfacher Fehler eine überraschend komplexe Vorgeschichte: “Der Bericht wurde nicht fertig, weil gestern Abend mein Rechner nicht mehr funktioniert hat. Und dann hat mir mein Kollege auch noch einen falschen Ratschlag gegeben, so dass die Datei komplett verschwunden ist …” Merken Sie was: Hier fällt kein einziges Mal das Wort “Ich”. Verrückt, oder?

Eine besonders ekelhafte Variante ist das “Kollegenschwein”. Diese Subspezies fällt dadurch auf, dass es Verantwortung nicht nur ablehnt, sondern sie den Kollegen in die Schuhe schiebt. Das geschieht meist nicht in böser Absicht, sondern in der Regel handelt es sich dabei um einen simplen Schutzreflex – ähnlich dem Schließen der Augen, wenn eine Faust auf einen zurast.

Was ist das Problem des Rechtfertigers?

Die stärkste Triebfeder des Rechtfertigers ist schiere Angst. Die Angst davor, dass ein Fehler zu drakonischen Strafen führen wird. Das erzeugt dann meist noch mehr Angst, was dazu führt, dass … Sie erkennen sicherlich, wohin das führt. Offen ist wie es zu der ursprünglichen Angstsituation kommt? Hat der Rechtfertiger schon einmal schlimme Erfahrungen gemacht? Ist er vielleicht wegen einer 5 in Mathe für zwei Wochen in finsteres Kellerverlies eingesperrt worden? Wir werden es wohl nie erfahren. Selbstreflexion gehört nicht zu den Stärken des Rechtfertigers.

Wie geht man am besten mit dem Rechtfertiger um?

Nehmen Sie ihm die Angst! Mit der Androhung von Konsequenzen befeuern sie nur die ohnehin schon existentielle Angst, mit der der Rechtfertiger jeden Tag ringt. Versuchen Sie über den aktuellen Fehler hinwegzusehen, hören Sie sich geduldig die kreativen Ausführungen an und antworten Sie ganz ruhig: “Klasse, dass Sie jetzt wissen, wie es dazu kam. Das wird es für Sie erleichtern, das Problem in Zukunft zu vermeiden.”

Der Jammerer

(auch bekannt als die Heulsuse, der Choleriker, der Nörgler)

Wie erkennt man den Jammerer?

Den klassischen Jammerer am tiefen Seufzer, der immer so klingt als käme er aus dem neunten Kreis der Hölle. Weitere Kennzeichen sind:

  • ein nöhlender Grundton
  • melancholischer Blick
  • leicht geneigter Kopf
  • nach unten weisende Mundwinkel

Die “Drama Queen” ist übrigens die hysterische Variante des Jammerers. Auf den ersten Blick scheinen sich diese beiden Typen deutlich zu unterscheiden, aber wenn man hinter die Ohnmachtsanfälle und Kreischattacken der Drama Queen blickt, erkennt man klar die Züge des Jammerers mit einem Hang zum Hyperbolischen.

Eine weitere Abart des Jammerers – und noch dazu eine extrem unangenehme – ist der Choleriker. Diese Art des Jammerers ist zunächst gar nicht als Jammerer zu erkennen, weil sich seine Emotionen anders, nämlich in lauten Wutausbrüchen, äußern. Wir werden aber gleich sehen, dass die Problemlage zwischen Cholerikern und klassischen Nöhlern nahezu diesselbe ist.

Was ist das Problem des Jammerers?

Der Jammerer ist das Opfer einer Verschwörung des Schicksals. Im Gegensatz zum Rechtfertiger entledigt er sich aber der Verantwortung nicht einfach, sondern bricht freiwillig – meist sogar bereitwillig – unter ihr zusammen. Ob sich das in Heulkrämpfen oder Wutausbrüchen äußert, ist wieder ein vollkommen anderes Thema.

Im Grunde sehnt sich der Jammerer nach Aufmerksamkeit und Respekt. Durch sein zerbrechliches Wesen versucht er, die gewünschte Aufmerksamkeit aber durch das Mitgefühl – besser aber noch das Mitleid – anderer zu ergattern. Dabei ist er nicht sonderlich wählerisch, was die Qualität der Zuwendung betrifft. Ihm geht es eher um Quantität, so dass das Gegenüber auch mit Geschichten über alle möglichen passenden und unpassenden Probleme – oder eben lautstarken Ausbrüchen über die Untragbarkeit der Situation – bombardiert wird.

Wie geht man am besten mit dem Jammerer um?

Der Umgang mit dem Jammerer erfordert einen ausgeklügelten Drei-Stufen-Plan:

1. Betonen Sie, wie schlimm das Schicksal es mit Jammerer meint. Betonen Sie, wie tapfer er mit diesem Schicksal umgeht. Achten Sie aber darauf, das alles glaubwürdig zu vermitteln. Der Jammerer ist es gewohnt, sein Schicksal in den dramatischsten Ausführungen auszubreiten, um nur den Hauch von Mitleid zu ernten. Tun Sie ihm den Gefallen und belohnen Sie ihn reich für seine Ausführungen. Dadurch wird er hoffentlich mit seiner Jammerei aufhören, so wie ein satter Restaurant-Gast, in den nichts mehr hineinpasst.

2. Wenn die erste Strategie nicht klappt, vermeiden Sie in den Strudel der Verzweiflung und Wut gezogen werden. Der Jammerer lebt vom Mitgefühl anderer. Entziehen Sie im also die Beziehungsgrundlage und demonstrieren Sie auffällig, dass Sie an seinen (eingebildeten) Problemen nicht interessiert sind. Das kann man einem abwesenden Blick beginnen und sich über Themenwechsel steigern.

3. Wenn das alles nix hilft, bleiben wohl nur noch Ohrstöpsel oder die Auswanderung ins australische Outback.

Das Großmaul

(auch bekannt als der Schaumschläger, der Narzisst)

Wie erkennt man das Großmaul?

Spricht am liebsten in der ersten Person Singular (gefühlt in Großbuchstaben, also “ICH”). Ist sich außerdem selbst das liebste Thema. Er hat die bewunderswerte Gabe, von jedem Thema auf eine Anekdote aus seinem eigenen Leben oder zumindest seine – meist randständige – Meinung überzuleiten.

Beispiel:

Unsere unbedarfte Aussage: “Ich finde den neuen Kinofilm XY ja ganz gut.”

Die Antwort des Großmauls: “Man muss ja dämlich sein, heutzutage bei den Preisen noch ins Kino zu gehen. Ich persönlich habe zuhause ja ein Homekino, mit … blablabla …”

Das bringt uns auch gleich zur nächsten ganz schlimmen Eigenschaft: Das Großmaul verfügt nicht über die sozialen Antennen, wann seine Meinungen dazu führen, dass sein Gegenüber sich innerlich krümmt. Ob das Großmaul wohl bemerkt hat, dass es uns gerade als “dämlich” beschimpft hat?

Im Beruf lässt sich eine Neigung zur Chefallüre feststellen. Das liegt auch nahe, da das Großmaul vorzugsweise sich erhöht, indem es andere erniedrigt.

Was ist das Problem des Großmauls?

Sie ahnen es bereits: Das Großmaul ist ein armes Würstchen. Das Grundproblem des Großmauls ist schlichtweg, dass die Selbsteinschätzung bei ihm nicht funktioniert. Jeder von uns hat ein Bild von sich selbst und gleicht dieses ständig mit dem Feedback, das man von anderen Menschen erhält, ab. Wenn ich mich selbst für gutmütig halte, mir aber oft rückgemeldet wird, dass ich eher ein egozentrischer Griesgram bin, dann werde ich über kurz oder lang meine Selbstkonzeption überdenken. Aber genau hier liegt das Problem des Großmauls: Die Antennen zur Aufnahme des Feedbacks von außen sind verkümmert. Dadurch entwickelt sich ein ungehemmtes Selbstbild, das bei entsprechender Disposition gigantomane Züge annehmen kann.

Wie geht man am besten mit dem Großmaul um?

Meist ist das Großmaul für subtile Signale wie Augenverdrehen nicht empfänglich. Daher hilft meist nur eins: Konfrontation. Das führt natürlich zu schlechten Schwingungen, gerade weil das Großmaul nicht besonders kritikfähig ist. Aber mal ganz ehrlich: Wollen Sie derjenige sein, der erstickt, nur weil das Ego eines anderen Ihnen die Luft abschnürt? Versuchen Sie den Effekt trotzdem zu dämpfen, in dem Sie in ihre Kritik auch einflechten, wie wertvoll die Leistung des Großmauls ist.

Der Zauderer

(auch bekannt als der Besserwisser, der Verkomplizierer)

Wie erkennt man den Zauderer?

Eine der Lieblingswendung aller Zauderer heißt “Ja, aber …” Wenn dieser Satz auch nur einmal in einer Diskussion fällt, sitzt Ihnen zu 99% ein Zauderer gegenüber. Zauderer kommen in zwei vollkommen unterschiedlichen Ausprägungen:

Die hilflose Variante, die am Stress-Level zu erkennen ist. Die Stimme dieses Zauderers nimmt oft eine hysterische Qualität an, die Augen hüpfen hin und her und die Extremitäten zappeln unkontrolliert umher. Alles in allem eine quälende Situation für diesen Typ.

Und die aggressive Variante – weitläufig verwandt mit dem Großmaul. Diese Subspezies verhindert Entscheidungen gerne damit, immer neue Blickwinkel und Einwände zu platzieren, bis die Problemstellung allein schon so komplex ist, dass eine Lösung in weite Ferne rückt. Überwindet man doch diesen aufgehäuften Berg aus Einwänden und formuliert eine Lösung, wird diese solange seziert und mit neuen Einwänden traktiert, bis nur noch ein trauriges Häuflein übrig bleibt.

Was ist das Problem des Zauderers?

Die Probleme des Zauderers sind je nach Ausprägung unterschiedlich gelagert:

Die hilflose Variante ist schlicht überfordert. Mit der Situation, den Entscheidungen, die ihn erdrücken, vermutlich sogar mit der Wahl seines Mittagessens. Diese Überforderung gründet zumeist auf der Angst, etwas falsch zu machen. Hier liegt ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis des hilflosen Zauderers.

Angst ist im übrigen auch eine der verborgenen Triebfedern für den aggressiven Zauderer. Meist geht es hierbei allerdings um die Angst nicht in der vollen Größe gewürdigt zu werden, die dem Zauderer gebührt. Genau diese Anerkennung verhindert der aggressive Zauderer allerdings mit seinen ständigen Einwänden – er ist ja genau der Grund, dass nichts zustande kommt. Eine Ironie, die der aggressive Zauderer nicht erkennt. Zumeist erscheint den Beteiligten diese Angst eher als Profilierungssucht, Frustabbau oder schlichtweg Lust an der Sabotage.

Wie geht man am besten mit dem Zauderer um?

Hängt davon ab, mit welcher Variante Sie es zu tun haben.

Der hilflose Zauderer ist mit der Situation ohnehin überfordert. Machen Sie die Situation nicht noch schlimmer dadurch, dass Sie auf eine Entscheidung drängen. Übertragen Sie die Verantwortung behutsam auf einen Kollegen, der der Aufgabe gewachsen ist und sorgen Sie dafür, dass Entscheidungen in Zukunft an den Zauderer herangetragen, aber nicht getroffen werden müssen.

Anders bei der aggressiven Variante: Ermutigen Sie, eine Entscheidung zu treffen! So signalisieren Sie dem Aggro-Zauderer, dass Sie seiner Einschätzung vertrauen. Und Sie selbst werden schnell erfahren, was wirklich in der Person steckt. Dreht der Zauderer am nächsten Tag weitere Gedankenschleifen, sollten Sie versuchen, die Entscheidung anders herbeizuführen. Verfahren Sie einfach ähnlich wie bei der hilflosen Variante.

Das Lästermaul

(auch bekannt als der Intrigant, der Miesmacher)

Wie erkennt man das Lästermaul?

Das Lästermaul ist einer der unangenehmsten Charaktertypen. Ganz einfach weil er als einziger die Kraft besitzt, ganze Teams mit seiner Art zu zerstören. Das Lästermaul ist sehr einfach zu erkennen: Die vorgehaltene Hand, der verstohlene Zeigefinger oder der verschwörerische Tonfall macht das Lästermaul nahezu unverwechselbar. Auch deshalb weil wir diesen Typen schon seit der Kindergartenzeit kennen. Schon damals trat beim Lästermaul der unbremsbare Hang zur Intrige auf. Ein weiteres untrügliches Zeichen des Lästermauls ist, dass er meist schon im zweiten oder dritten Satz eines ersten Gesprächs über einen Dritten spricht. Der Grund dafür ist einfach zu erklären.

Was ist das Problem des Lästermauls?

Das Lästermaul steht gerne im Auge des Sturms, den es selber anrichtet. Dieser Zwang im Mittelpunkt zu stehen ist das alles bestimmende Motiv des Lästermauls. Daraus ergeben sich zwei große Probleme:

Wer im Mittelpunkt stehen will, braucht eine treue Gefolgschaft. Um die Eignung als Gefolgsmann/-frau möglichst schnell prüfen zu können, wird das Lästermaul Sie bald einem Beziehungstest unterziehen. Bei Bestehen können Sie sich sicher sein, dass das Lästermaul Sie in die tiefsten Geheimnisse der restlichen Belegschaft einweihen wird (Wahrheiten sind ein anderes Thema).

Das Lästermaul duldet aber auch keine abweichlerischen Meinungen in seiner Gefolgschaft. Ein Grund, warum in der Gefolgschaft des Lästermauls – das zumeist ein eher schillernde und laute Person ist – in der Regel graue Mäuse zu finden sind, die hoffen über das Lästermaul auch wahrgenommen zu werden. Das ist gleichzeitig aber auch ein Problem des Lästermauls. Wo keine Gefolgschaft, da auch kein vergötterter Herrscher. Daher pflegen Lästermäuler meist eine eher labile Beziehung zu Ihrer Gefolgschaft.

Wie geht man am besten mit dem Lästermaul um?

Das hängt von zwei unterschiedlichen Voraussetzungen ab:

Prüft das Lästermaul gerade, ob Sie als Gefolgsmann/-frau taugen, sollten Sie alles – wirklich alles – daran setzen Ihre Neutralität zu bewahren. Kommt das Gespräch also auf einen anderen Kollegen, versuchen Sie das Gespräch auf ein neutrales Thema zurückzuführen. Stellt das Großmaul eine Testfrage à la “Das ist doch eine Frechheit, dass er so mit mir umgeht, oder?”, verweisen Sie ruhig darauf, dass Sie die Umstände nicht kennen und daher keine Meinung dazu haben. Wenn alles gut läuft, wird das Lästermaul schnell erkennen, dass Sie nur schwer für seine Zwecke einzuspannen sind.

Haben Sie aber das Pech und sind ein Opfer des Lästermauls, müssen Sie Ihren Mut zusammennehmen. Ziehen Sie den Kopf nicht ein! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Jagdinstinkt (inklusive fehlender Beisshemmung) bei den Lästermäulern oft stärker ausgeprägt ist als das Mitgefühl. Legen Sie also die Opferrolle ab! Am einfachsten tun Sie das, indem Sie das Lästermaul direkt und ruhig konfrontieren. Sprechen Sie das Lästermaul auf das Problem an. Formulieren Sie dabei keine Vorwürfe, sondern stellen Sie das Problem zur Diskussion: “Ich habe gehört, dass du dich an unterschiedlichen Stellen über mich beschwert hast. Stimmt das? Warum bist du denn nicht zuerst zu mir gekommen, um das zu klären?” Auf diese Weise gewinnen Sie ganz locker die Oberhand und haben sich elegant aus Ihrer Opferrolle befreit.

Der Schlamper

(auch bekannt als der Messy, der Chaot)

Wie erkennt man den Schlamper?

Von allen Charaktertypen, ist der Schlamper der erträglichste – manche halten diesen Typen sogar für liebenswert. Bei den meisten Schlampern bemächtigt sich das Chaos des kompletten Lebens. Das beginnt oft bei physischen Dinge wie der Kleidung, dem Haarschnitt, dem offenen Schnürsenkel und erstreckt sich bis in die hintersten Ecken der Lebensplanung (Schon mal mit einem Schlamper zusammengewohnt?). Man kann also sagen, dass der Schlamper die Dinge gerne seinen Weg gehen lässt und nur in ausgewählten Fällen aktiv partizipiert.

Was ist das Problem des Schlampers?

Der Hang zum Chaos ist nur die Folge des wirklichen “Problems”: Ordnungssinn ist für den Schlamper unnützer Ballast. Er konzentriert sich lieber auf die aus seiner Sicht dringenden Dinge des Lebens. Problematisch ist allerdings, dass dem Schlamper offenbar nicht klar ist, dass andere Menschen wert auf Pünktlichkeit und schimmelfreie Kühlschränke legen. Aber Sie merken schon, das ist alles nicht sonderlich problematisch.

Wie geht man am besten mit dem Schlamper um?

Schlamper sind meist nicht aggressiv, daher ist ein offenes Gespräch in der Regel die richtige Wahl. Am einfachsten ist es wohl, wenn der Schlamper sich ein Refugium schafft, wo auf Ordnung nicht zu achten ist. Das könnte so aussehen, dass beispielsweise Gemeinschaftsräume halbwegs in Ordnung gehalten werden, der Schlamper dem Druck der Entropie in seinem eigenen Zimmer aber nachgeben kann. Ganz wichtig ist ganz sachte zur Sache zu gehen: Dem Schlamper ist nicht bewusst, dass er bei anderen befremdliche Gefühle auslöst.

  • Thor Dirk Duisenberg

    Hallo Franz! Ich finde deine Zusammenfassung sehr interessant. Einige Sätze hast du bemerkenswert gut formuliert. Im Auge des Sturms etc… finde ich klasse. Ein Paar andere Sätze hingegen könnten einen stilistischen Feinschliff vertragen. Mich würd auch interessieren, zu welcher Charaktere du dich selbst einordnest. Menschen, mit so einem Durchblick, wie du ihn zu scheinen hast, sollten in Firmen beruflich zur professionellen Bereinigung von Störeren beitragen. Die Beseitigung von Betriebsbremsen könnte so mancher Firma einen deutlichen Gewinn bescheren. Aber die Idioten stecken vor allem da, wo Entscheidungen zu treffen sind, womit wir das Thema vergessen können. 🙂

    • phranz

      Vielen Dank für das Feedback! Ich bin mir sicher, dass es nicht nur ein paar Sätze sind, die einen Feinschliff vertragen könnten 🙂 Aber man wird nur mit der Zeit besser und das hier war eine meiner ersten Schreibübungen.
      Sich selber einzuordnen ist natürlich ziemlich schwierig. Wer kann sich schon konsequent von außen betrachten? Außerdem findet sich wohl kaum einer der Typen in Reinform.
      Inwiefern die Beobachtungen helfen, sich im Berufsleben zurecht zu finden, kann ich auch schwer einschätzen. Aber zumindest hilft es das eigenen Verhalten kritischer zu betrachten und sich weniger darüber aufzuregen, wenn sich ein Kollege nicht so verhält, wie man sich das wünschen würde … und das über alle Hierarchien hinweg 🙂

  • ephraim

    schonmal etwas vom schubladenkener oder erklärer gehört, der alles unter eine kappe bringen will, sodass er über allem stehen kann

    • Oha! Da habe ich wohl einen Nerv getroffen. Sorry dafür. Anscheinend habe ich es versäumt, in der Einleitung noch deutlicher herauszustellen, dass es hier nicht um Schubladen geht, sondern eher um Charakterzüge, die auch in Kombination auftreten. Übrigens Charakterzüge, die ich auch bei mir selber finde. Also nochmals sorry dafür, dass ich dich mit dem Artikel falsch erwischt habe.

  • Thor Dirk Duisenberg

    Schubladenkenner? Was ein Blödsinn! Ich finde deinen Text echt klasse! Ich habe mich heute nach 9 Monaten daran zurückentsinnt, ihn gelesen zu haben. Und nun bin ich froh, deine Seite wiedergefunden zu haben.

    • Vielen Dank für die Aufmunterung und das tolle Feedback!

  • Hilbertraum

    Hallo Franz.
    Du scheinst dich mit Charaktertypen und den Umgang mit ihnen auszukennen. Bevor ich deine Seite entdeckt habe, war ich mit einem meiner Kommilitonen befreundet, welchen man als typischen Jammerer bezeichnen konnte. Ständig schrieb er mir SMSen (teilweise mitten in der Nacht) darüber, wie schlecht es ihm ginge und dass er wieder Schlafstörungen habe etc. Er bettelte ja förmlich nach Mitleid und versuchte stets mit allen Mitteln, bei mir ein schlechtes Gewissen auszulösen. Wenn er eine Klausur nicht bestand war es NATÜRLICH nie seine Schuld, (wir studieren beide Physik, ich jedoch bin weiter gekommen, obwohl er vorher da war) bekam die Übungszettel von mir gerechnet… Genug des Geredes, irgendwann hatte ich genug und sagte ihm die brutale Wahrheit ins Gesicht. Alles, was ich tatsächlich von ihm hielt. Konsequenz: riesen Streit, eine Anhäufung an Beleidigungen usw. Nun der Knackpunkt: er stellte sich nicht als armes Würstchen, sondern tatsächlich als durchtriebener Intrigant heraus, welcher es geschafft hatte fast alle meine Freunde gegen mich aufzuhetzen. Sogar bei meinem Freund, welchen er zu Beginn gar nicht mochte, versuchte er in unseren Streit zu involvieren. Ihn auf’s klare Wasser zu führen bringt mir in dieser Situation nun herzlich wenig (kein Mensch glaubt mir und die Beweise fehlen mir) und leider sind so viele Gerüchte über mich in Umlauf, dass ich nicht mehr mitzählen kann. Wie könnte ich handeln? Soll ich zur Gegenattacke schreiten und das Gleiche tun? Versuchen allen anderen zu zeigen, dass ich nicht der Depp bin? Ersuche Rat.

    LG, Hilbertraum (weiblich)

    • Hi Hilbertraum,
      das hört sich wirklich bitter an. Ich fürchte nur, dass ich dafür nicht der richtige Ansprechpartner bin. Ich bin mir sicher, dass du noch einige Freunde hast, die diesen Namen verdienen und zu dir stehen – egal, was an Gerüchten kursiert. Die sind bestimmt hilfreicher als ein laienhafter Schreiberling, der einfach mal ein wenig Dampf ablassen wollte. 🙂 Falls dich die aktuelle Situation aber wirklich stark belastet, kann ich dir nur raten professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
      Viele Grüße